Camila Sosa Villada – Im Park der prächtigen Schwestern

Die Teilnahmslosigkeit der Leute an diesem Tag verhalf mir zu einer Erkenntnis: Ich war allein, dieser Körper lag in meiner Verantwortung. Keine Ablenkung, keine Liebe, kein noch so gewichtiger Einwand konnten mir die Verantwortung für meinen Körper nehmen. Da vergaß ich die Angst.

S. 53 f.

Camila ist trans. Da sie zu Hause weder Akzeptanz noch Liebe erfährt, begibt sie sich auf die Suche nach einem Ort, an dem sie sein kann wer sie ist und findet ihn im Park der prächtigen Schwestern im argentinischen Córdoba. Hier trifft sie auf eine Gruppe Prostituierte, die zu ihrer Familie werden. Sie verkaufen ihre Körper, um sich ihr Leben am Rande einer Gesellschaft zu finanzieren, die sie ausschließt und verachtet. Indem sie zusammen halten, gelingt es ihnen mal besser, mal schlechter, sich zu behaupten. Gemeinsam feiern sie das trans-Sein, das Leben und die Liebe, sie berauschen und retten sich, sie streiten und sie scheitern. Immer und immer wieder.

Von überall weggehen. Das bedeutet es, trans zu sein. […] Um zu sterben, soll man sein Haus bestellen, das Kind begrüßen, das zu sein man verstanden hat. Wissen, wie man es um Verzeihung bittet für all den Verrat, die vielen Lügen, die systematische Entzauberung, die verlorene Richtung, all die nicht gewürdigte Schönheit.

S. 161.

Camila Sosa Villada verwebt in „Im Park der prächtigen Schwestern“ ihre eigene Lebensgeschichte und märchenhafte und fantastische Elemente zu einem gesellschaftskritischen Roman, der von Selbstermächtigung und Wahlverwandtschaften erzählt, aber auch von der Gewalt und Brutalität, die in Kauf genommen wird, um man selbst sein zu können. Die hervorragende Übersetzung aus dem Spanischen von Svenja Becker macht das Buch zu einem ganz besonderen Erlebnis, das lange nachhallt und Einblicke in eine vollkommen andere Lebensrealität gewährt, die für viele (trans)Frauen Alltag ist.
Viele der geschilderten Szenen tun weh und schmerzen, gleichzeitig sind die Geschichten der Figuren so authentisch, ist die Solidarität zwischen den Frauen so wärmend, dass das Lesen zu einer emotionalen Achterbahnfahrt wird.

Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen. Es ist poetisch und schön, brutal und echt.

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