Britta Sabbag – Die Dinoschule. Betreten für Eltern verboten

Heute muss ich meckern.
Vor einiger Zeit habe ich dieses Buch in der Buchhandlung meines Vertrauens entdeckt. Nun ist es so, dass mein siebenjähriges Kind schon seit vier Jahren nichts mehr liebt, als Dinosaurier und andere Urzeittiere. Das war und ist keine Phase, das war von Anfang an eine waschechte Obsession.
Wir haben also jede Menge Erfahrung mit Büchern über die ausgestorbenen Tierchen, seien es Sach- oder Erzähltexte. Was die erzählerischen Veröffentlichungen angeht, waren vor allem wir Erwachsenen Vorleser bisher nicht vollkommen überzeugt, weswegen ich in dieses Exemplar hier große Hoffnungen gesetzt habe.

Eine Schule auf einem Fleckchen Erde, auf dem tatsächlich noch Dinosaurier, Flugechsen und andere Urzeittiere leben, weil hier eben kein Meteorit eingeschlagen ist? Klingt weit hergeholt, ja, ist aber endlich mal was anderes, als die immer gleichen Zeitreise-Szenarien. Auch das Schulsetting war extrem vielversprechend, können die Kinder in diesem Alter sich doch so hervorragend hineinversetzen, wenn auch die Protagonist*innen die Schulbank drücken. So weit so gut. Bis hierhin war auch der Anfang noch okay.

Leider stellte sich schnell heraus, dass die drei Protagonist*innen (wie fast immer in Dreiergruppen: ein Mädchen und zwei Jungs *gähn*) vor Geschlechterstereotypen und Schablonenhaftigkeit nur so strotzten. Da ist der coole, arrogante Dude, der einfach mit sieben oder so schon sexistische Witze reißt und damit durchkommt, ein als nervige Klugscheißerin dargestelltes Mädchen, die es eigentlich einfach nur besser weiß und schlauer ist, aber das passt ja nicht ins Mädchenbild und ein etwas moppeliger und ängstlicher Junge, dessen einziges Hobby das Essen zu sein scheint, was ungelogen auf jeder Seite erwähnt werden muss und einfach nur nervt, weil haha, der dicke Junge isst schon wieder. Dass sowas im Jahr 2022 in einem Kinderbuch immer noch durchgewunken wird, ist fast unglaublich. So fand ich die Figuren beim Vorlesen einfach nur zum Augenrollen und ich habe nicht nur einmal überlegt, das Vorlesen abzubrechen.

Habe ich dann nicht getan, weil das Kind, verständlicherweise, wissen wollte, wie es ausgeht. Ich habe aber die dickenfeindlichen und misogynen Witze ausgespart.
Krönung ist natürlich, dass am Ende nicht das superschlaue Girl die Situation rettet, wo sie doch sonst immer alles weiß. Nein, die zündende Idee hat am Ende natürlich Mr. Wichtig, der die ganze Zeit auf obercool macht und die anderen runterbuttert. Wow. Einfach wow.


Ja, das Kind fand es trotzdem cool, aber das Kind ist sieben Jahre alt und wir haben als Kinder auch nicht hinterfragt, dass Arielle nix besseres zu tun hat, als ihre Stimme zugunsten eines blöden Prinzen aufzugeben oder dass Wendy nur zum Singen und Geschichtenerzählen da ist, während ihre Brüder mit Peter Pan gegen Piraten kämpfen…
Zeiten ändern sich und ich hatte tatsächlich gehofft, wir wären mittlerweile weiter. Nun ja. Ich erzähle dem Kind dann jetzt selbst ausgedachte Geschichten von ihm und seinen Freund*innen in einer Dinoschule. Den zweiten Teil werde ich mir vor dem Kauf erstmal ganz genau anschauen und beim ersten Essenswitz abhaken.

Nachtrag: Leseprobe von Band zwei am Ende des Buches. Erstes Kapitel, erste Seite: Haha, der dicke Junge lädt sich eine dritte Portion Müsli zum Frühstück auf und das kluge Mädchen benimmt sich „wie unsere Mutter“, weil sie sagt, dass der Unterricht in drei Minuten anfängt. Einfach nur ciao! Ich bin sowas von raus…

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