Rachel Cusk – Lebenswerk

Die Frage, was eine Frau ist, wenn nicht eine Mutter, wird verdrängt durch die Frage, was eine Frau ist, wenn sie Mutter wird, und was eine Mutter zu sein eigentlich bedeutet.

S. 66.

Ein weiteres Buch, das ich zum Thema Mutterschaft gelesen habe, ist Rachel Cusks Lebenswerk (aus dem Englischen von Eva Bonné), in dem die Autorin ihre Erfahrungen über etwa ein Jahr schildert. Beginnend mit ihrer Schwangerschaft im Zeitraffer und der Zeit danach, berichtet sie über ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle „und ihr Bericht wird zu vielen Geschichten – zu einem Abgesang auf Freiheit, Schlaf und Zeit, zu einer Lektion in Demut und harter Arbeit, zu einer Reise zu den Urgründen der Liebe, zu einer Meditation über Wahnsinn und Sterblichkeit […]“, heißt es auf dem Waschzettel – und ich weiß nicht, wie ich es besser beschreiben könnte.

Ich vermute, dass es allen Müttern gehen wird wie mir: alles klingt vertraut, jede Situation hat man irgendwie selbst erlebt, wenn auch irgendwie anders, jeden Gedanken hat man irgendwie selbst gedacht und jedes Gefühl hat man irgendwie selbst gefühlt. Es klingt alles, so schrieb The Times, „so schmerzhaft vertraut.“
Cusks Worte haben mich beeindruckt und waren oft die, die ich gesucht, aber nie habe finden können, denn wie ich, musste sie ihr Kind per Kaiserschnitt entbinden:

Unsere Entzweiung liegt so kurz zurück, das keine von uns vollständig erscheint und der schmerzende Stumpen unserer Einheit, bläulich und wund, immer noch spürbar ist. Ich verstehe nicht ganz, was passiert ist, und verhalte mich deshalb, als wäre nichts passiert.

S. 59.

Danke an @cheap.and.cheerful und @equalwritesde , die mich mit ihrer Aufforderung zum #diverserdonnerstag auf die Idee gebracht haben, die Bücher auf meinem SuB zum Thema Mutterschaft, einfach gesammelt zu lesen.
Außer euch jetzt noch ein paar Zitate um die Ohren zu hauen, bleibt mir nichts zu sagen, außer: ich habe dieses Buch geliebt!

Mein Hunger auf die Welt war unstillbar und wahllos, er war Ausdruck einer Sehnsucht nach dem verlorenen, vormütterlichen Ich, nach der Freiheit, die dieses Ich genossen und vielleicht sogar vergeudet hatte.

S. 10.

Um eine Mutter zu sein, muss ich das Telefon klingeln, die Arbeit liegen und Verabredungen ausfallen lassen. Um ich selbst zu sein, muss ich das Baby weinen lassen und seine Mahlzeiten aufschieben. […] In der einen Rolle effektiv zu sein bedeutet, in der anderen zu versagen. Der Bruch zwischen Mutter und Frau ist weniger glatt als ich es […] vermutet hatte […].

S. 65.

Ich vermisse die Babyzeit jetzt schon. In meinem wachsenden Kind habe ich die Gegenwart Vergangenheit werden sehen, und ich habe aus nächster Nähe miterlebt, wie das Leben den Geschmack der Wehmut annimmt. […] Ich lebe jetzt in Wissen dessen, was ich habe, und ich kann das Glück erkennen, bevor es ganz vorüber ist.

S. 212.

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