Leïla Slimani – Warum so viel Hass?

– Werbung da Rezensionsexemplar –
Vor ein paar Tagen habe ich mich mit dem schmalen Bändchen Warum so viel Hass von Leïla Slimani beschäftigt. Darin finden sich sechs Essays, aus dem Französischen übersetzt von Amelie Thoma.


Alle Texte handeln von Toleranz, von erstarkendem (religiösen) Fanatismus und von Arten damit umzugehen. Die 62 Seiten habe ich über den Tag verteilt gelesen, immer ein Essay, sacken lassen, darüber nachdenken, erneut sacken lassen, dann das nächste. Das war eine gute Möglichkeit, den Texten den Raum zu geben, den sie brauchen und verdienen.


Mein Lieblingstext war das titelgebende Essay Warum so viel Hass, in dem sie von ihrem gescheiterten Versuch schreibt, sich nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo für einen Text in die Täter hineinzuversetzen und aus ihrer Perspektive zu schreiben.

„Autoren wird bald die Aufgabe zufallen, ein paar Schritte zurückzutreten, Abstand zu nehmen, um beurteilen zu können, was hier geschieht. Weil die Literatur ein grenzenloser freier Raum ist, in dem man alles sagen kann, in dem man mit dem Bösen liebäugeln, das Grauen erzählen, die Regeln der Ethik und des Anstands missachten kann, ist sie wichtiger denn je. Sie zeigt die Welt in all ihrer unliebsamen Komplexität und Mehrdeutigkeit. Ungeschminkt und ohne falsche Rücksichtnahme kann sie die hässlichsten, gefährlichsten, bösartigsten Auswüchse unserer Gesellschaft erkunden. Man muss sich Zeit für sie nehmen in unserer schellen Welt, in der Bilder und Emotionen eine kritische Analyse verdrängen. Doch um ihre Aufgabe zu erfüllen, muss sie auf Der Höhe ihrer selbst und ihrer Ideale sein.“

S. 20 f.


Diesen Auszug lasse ich angesichts der momentanen Diskussion um ein gewisses Gedicht jetzt ohne jeden weiteren Kommentar so stehen und versuche weiter, meinen eigenen Standpunkt zu finden und eine Möglichkeit, mein moralisches Empfinden und meinen Wunsch nach totaler Freiheit der Literatur irgendwie übereinander zu bekommen…
Ist mir bis jetzt nicht gelungen.


Zurück zum Buch:
Ich kann die Essays (wie auch die Romane) von Leïla Slimani jedem und jeder ans Herz legen.
Nicht, weil ich ihre Meinung immer zu 100% teile oder ihre Wortwahl ausnahmslos gelungen fände, sondern weil sie gute Denkanstöße gibt, die anregen, sich selbst weitergehend mit den Themen auseinanderzusetzen und sich zu überlegen, wie man selbst zu ihnen steht.
Uneingeschränkte Leseempfehlung von mir.

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