Katya Apekina – Je tiefer das Wasser

Die meiste Zeit im Leben gibt es kein ‚hätte-sollen‘. Man tut, was man kann.

S. 153.

Edies und Maes Mutter hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Die beiden Teenager müssen aus ihrer Heimat zum Vater nach New York ziehen, einem Mann, an den sie sich kaum erinnern.
Während die jüngere Mae dem Vater blinde Verehrung entgegenbringt und ihn im Vergleich zur psychisch kranken Mutter idealisiert, sieht Edie in ihm einen Verräter, der an der Krankheit der Mutter und deren Leiden die Schuld trägt.
Aus verschiedenen Perspektiven, mit Medien (Briefen, Berichten, Tagebucheinträgen, Telefondialogen) aus Vergangenheit und Gegenwart erschafft die Autorin eine Vielschichtige Erzählung mit zahlreichen Wirklichkeiten.
Der Roman erzählt von einer kaputten Familie, in der jedes Mitglied seelische Verletzungen durchs Leben trägt. Alle leiden auf unterschiedliche Weise, schuldig sind alle und niemand.

Die kurzen Abschnitte, verschiedenen Perspektiven und Medien machen es einem leicht, das Buch zu verschlingen. Aus all diesen Bruchstücken und Informationshäppchen bleibt es einem als Leser*in selbst überlassen, sich eine Wahrheit zusammenzureimen. Mir war keine*r der Protagonist*innen sympathisch, ich konnte zu niemandem eine „Bindung“ aufbauen und ich konnte viele der Handlungen nicht nachvollziehen. Manches wirkte auf mich zu viel, zu konstruiert, zu weit hergeholt,
ABER das ändert nichts daran, dass es sich hier um einen super spannenden und einzigartigen Text handelt. Ich kann die allgemeine absolute Begeisterung verstehen, auch wenn ich sie nicht uneingeschränkt teile. Zweifelsohne ist jedoch alleine die Vielschichtigkeit und der Umgang mit verschiedenen Textarten ein Merkmal, das Je tiefer das Wasser zu etwas besonderem macht.
Der Inhalt ist weiß Gott nicht ohne und nichts für schwache Nerven. Von seelischem Missbrauch bis Selbstverletzung ist alles dabei. Wer das gut abkann, dem sei dieses Buch empfohlen.

Je tiefer das Wasser von Katya Apekina, aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Brigitte Jakobeit, erschienen im Suhrkamp Verlag.

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