Ali Smith – Herbst

Großbritannien nach dem Brexit-Referendum: alles ist etwas chaotisch, keiner weiß so richtig, was da gerade passiert ist und wie es jetzt weiter geht.
In diesem Wirrwarr versucht die Mitdreißigerin Elisabeth einen neuen Pass zu beantragen und besucht ihren ältesten Freund. Daniel ist mittlerweile 101 und lebt in einem Altersheim. In Elisabeths Kindheit lebte er neben ihr und ihrer Mutter und passte bald regelmäßig auf sie auf. Nun liest sie ihm immer mal wieder etwas vor. In Rückblenden erfahren wir Leser*innen außerdem Episoden aus der Vergangenheit Daniels.

Die Sprache zeugt davon, dass Ali Smith ihr Handwerk meisterhaft beherrscht. Leider hatte ich mit der episodenhaften Erzählweise große Schwierigkeiten. Die Protagonist*innen blieben mir fremd und die Geschichte war mir zu unübersichtlich. Nicht gekennzeichnete wörtliche Rede war dementsprechend auch nicht gerade hilfreich, um das Geschehen zu durchblicken. Dennoch bin ich leicht und schnell durch das Buch geflogen und bereue nicht, es gelesen zu haben.

Unfassbar aktuell sind Sätze wie:

Es ist, als wäre die Demokratie eine Flasche, und jemand könnte damit drohen, ihr den Hals abzuschlagen und ein bisschen Schaden damit anzurichten. Es ist jetzt eine Zeit, in der sich die Leute gegenseitig nur Sachen an den Kopf werfen, woraus aber nie ein Gespräch entsteht. Es ist das Ende des Gesprächs.

S. 120.


Und auch mehrere philosophische Gedankenexperimente wurden literarisch verarbeitet:

Nein. Die Welt existiert. Geschichten werden erfunden, sagte Elisabeth. Die trotzdem nicht weniger wahr sind, sagte Daniel. Das ist ultraverrücktes Gerede, sagte Elisabeth. Und wer Geschichten erfindet, erfindet die Welt, sagte Daniel. Schau deshalb, dass deine Geschichte immer für andere offen ist. Das wäre mein Vorschlag.

S. 127.


Danke an @luchterhand_verlag und das @bloggerportal für das Rezensionsexemplar.
Habt ihr es auch schon gelesen? Wie hat es euch gefallen?

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