Han Kang – Deine kalten Hände

Der Künstler Unhyong, der Gipsskulpturen macht, indem er Abdrücke von Körperteilen nimmt, verschwindet spurlos. Seine Schwester sucht ihn, indem sie das Manuskript, das er hinterlassen hat, an seine Bekannten versendet, in der Hoffnung dass diese Hinweise zu seinem Aufenthaltsort geben können. Soweit zur Rahmenhandlung.
Im Hauptteil des Buches lesen wir nun eben jenes Manuskript, das von Unhyongs Kindheit und Jugend und von den Beziehung zu zwei Frauen erzählt, die sein Leben geprägt haben.

Wie schon die ersten beiden ins Deutsche übersetzten Romane Han Kangs ist „Deine kalten Hände“ ein literarisch unfassbar vielschichtiger Text. Das gemeinsame Lesen mit @knigaljub und @lesestress war einmal mehr wahnsinnig bereichernd und hat mir den Text so viel zugänglicher gemacht, als es beim alleinigen Lesen möglich gewesen wäre.
Danke nochmal dafür! Wir haben über die literarische Groteske gesprochen, über die Theorien Michail Bachtins, Psychische Krankheiten, Essstörungen, Schönheitsideale und gesellschaftlichen Druck.

Han Kang hat einmal mehr ein dauerhaft aktuelles und themenreiches Buch geschrieben, das mich thematisch, sprachlich und stilistisch an Franz Kafka und E.T.A Hoffmann erinnerte und diesen Klassikern meines Erachtens in nichts nachsteht.


Wer auf der Suche ist nach einem anspruchsvollen und vielschichtigen Text mit grotesken und absurden Elementen, der ist mit Han Kangs „Deine kalten Hände“ sicher gut bedient. Dies dürfte nicht zuletzt der kongenialen Übersetzung von Kyong-Hae Flügel geschuldet sein. Ganz großes Literaturtennis!

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