Yoko Ogawa – Insel der verlorenen Erinnerung

Über wenig Bücher wurde in meiner Bubble in der letzten Zeit so viel geschrieben wie über Yoko Ogawas Insel der verlorenen Erinnerung. Eine Menge der Meinungen, die ich dazu las, waren wahre Lobeshymnen. Mit @knigaljub @lesestress und @coffeecakesandbooks habe auch ich mich diesem Roman gewidmet.

Auf einer namenlosen Insel lebt die Ich-Erzählerin, eine Schriftstellerin, für die es völlig normal ist, das Dinge spurlos verschwinden. Nicht aus ihrem Haus oder aus ihrer Tasche, sondern aus dem kollektiven Gedächtnis der gesamten Bevölkerung. Verschwindet etwas, sorgt die Erinnerungs-Polizei dafür, dass es restlos ausgelöscht wird und nichts zurück bleibt, was an das jeweils verschwundene erinnert. Nachdem bereits Vögel, Früchte und Schiffe für immer verloren sind, trifft es nach und nach auch Dinge, die das Leben der Erzählerin ganz unmittelbar betreffen. Während sie selbst, wie von der Erinnerungs-Polizei gefordert, alles vergisst was verschwindet, gibt es jedoch auch Inselbewohner, deren Erinnerungen sich nicht einfach auslöschen. Dazu gehört ihr Lektor, den sie in einem Kellerraum in ihrem Haus versteckt, damit er nicht der Erinnerungs-Polizei zum Opfer fällt, an die sie bereits ihre Mutter verlor…

Ogawas Roman ist vielschichtig und bot uns gleich auf mehreren Ebenen Diskussionsmaterial. Die Sprache ist leicht, ohne flach zu sein und ich bin sehr flüssig durch die Seiten gekommen. Die sachlichen und unaufgeregten Schilderungen der unerhörten Geschehnisse, erzeugten dabei eine unheimlich beklemmende und düstere Atmosphäre.

Auch wenn ich die vielen positiven, ja begeisterten Stimmen durchaus verstehe, ließ mich Ogawas Text etwas unbefriedigt und ratlos zurück und wenngleich ich eine große Freundin kafkaesker Literatur bin, wies hier insbesondere das Ende in meinen Augen Ungereimtheiten auf.
Für mich ein weiterer, kleinerer Kritikpunkt: Eine Liebesgeschichte, die man sich, wie so oft, auch hier mal wieder einfach hätte sparen können.

Zweifelsohne hat Ogawa einen guten Roman geschrieben, der verschiedenste Diskussions- und Interpretationsmöglichkeiten bietet, ein absolutes Highlight war er für mich jedoch nicht.
Habt ihr das Buch gelesen?

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