Cormac McCarthy – Die Straße

Im grauen Licht ging er hinaus, blieb stehen und erkannte einen Moment lang die absolute Wahrheit der Welt. Das kalte, unerbittliche Kreisen der hinterlassenschaftslosen Erde. Erbarmungslose Dunkelheit. Die blinden Hunde der Sonne in ihrem Lauf. Das alles vernichtende schwarze Vakuum des Universums. Und irgendwo zwei gehetzte Tiere, die zitterten wie Füchse in ihrem Bau. Geliehene Zeit, geliehene Welt und geliehene Augen, um sie zu betrauern.

S. 118.

Im postapokalyptischen Amerika wandert ein Vater mit seinem Sohn durch die verlassenen Straßen in Richtung Küste. Was sie dort zu finden hoffen, wissen sie nicht. Bei sich tragen sie bloß die Kleider, die sie am Körper haben, einen Einkaufswagen mit ein paar Decken und Konservendosen und einen Revolver mit zwei Kugeln darin. Zwischendurch begegnen ihnen andere Überlebende, die ihnen jedoch nicht unbedingt wohlgesonnen sind.
Verzweifelt versucht der Mann, sein Kind und sich selbst am Leben zu erhalten, obwohl er nicht einmal weiß wofür, während der Junge herzzerreißende Beispiele dafür liefert, was Menschlichkeit heißt und was es bedeuten muss, in einer Welt aufzuwachsen, die davon nicht mehr viel weiß.

Die Straße von Cormac McCarthy stand schon sehr lange auf meiner Leseliste. Die Übersetzung von Nikolaus Stingl ist unfassbar gut gelungen und untermalt die Atmosphäre des Textes perfekt. Ich bin wahrlich durch die Seiten geflogen, gefesselt von dieser Geschichte, voller Mitgefühl für diese Vater-Sohn-Konstellation, die es wahrscheinlich so oder so ähnlich überall auf der Welt gibt, wenngleich man sich vielleicht nicht unbedingt durch postapokalyptische Aschewelten schlagen muss. Diese „düstere Parabel auf das Leben“ spiegelt all die Überlebenskämpfe, die Menschen zu kämpfen bereit sind und das tut sie in einer herausragenden Sprache, mit einer beklemmenden Atmosphäre und auf besonders berührende Weise.

Dieser moderne Klassiker ist düster und aufwühlend und zugleich bewegend und einfühlsam. Ich bin froh, es endlich gelesen zu haben und empfehle es von ganzem Herzen.

Welche anderen Bücher von McCarthy kennt ihr und könnt ihr sie empfehlen?

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