Mercedes Spannagel – Das Palais muss brennen

-Werbung, da Rezensionsexemplar-

Ich hatte früh eine Abscheu in mir. Ich hatte früh Revolution in mir. Ich war antiautoritär und verwahrlost. Ich war verwöhnt. Ich war schwierig, von Anfang an.

S. 68.

Was ich machen würde, wenn meine Mutter die rechtskonservative Präsidentin von Österreich wäre? Keine Ahnung. Wahrscheinlich aber jede Menge Theater.
Luise macht es ähnlich. Nachdem sie ihren Mops Marx getauft und den einen oder anderen Klamauk veranstaltet hat, schmieden sie und ihre Freunde Pläne, die Regierung ihrer Mutter durch ein Kunstprojekt auf dem Opernball zu stürzen. Das läuft jedoch etwas anders, als erwartet…

Die Charaktere In Mercedes Spannagels Debütroman „Das Palais muss brennen“ sind vor allem eines: skurril.
Luises Schwester ist zum Beispiel heimlich Tättowiererin, bei der sich Luises Freundin Lilli eine stilisierte Vulva zwischen die Brüste tätowieren lässt. Zusammen mit ihrem Freund TT, dessen Vater ein rechter Parteikollege der Präsidentin ist, schmeißt Luise die Waffen der Jagdgesellschaft in den Pool, während der Alkohol in Strömen fließt.

Korrupte rechte Politiker, die von ihren eigenen Elitekindern in den Ruin getrieben werden. Ein Plot, ganz nach meinem Geschmack. Die Autorin erzählt ihn dabei mit so viel Zynismus, Sarkasmus und Sprachwitz, dass es mir ein wahres Fest war. Ich habe den Fall des zur Ruine runtergebrannten Palais‘ sehr sehnsüchtig erwartet. Außerdem will ich jetzt nach Wien. Unbedingt.

Wer Spaß an politischen Texten mit Witz und trotzdem viel Verstand hat, dem sei „Das Palais muss brennen“ ans Herz gelegt. Mich hat es bestens unterhalten.
Weiteres Plus: die Queerness der Protagonistin und Ich-Erzählerin fließt völlig selbstverständlich in den Text ein und ist zu keinem Zeitpunkt Teil des Plots. So muss das.

Du sagst, du bist kein Tourist, du nennst dich Traveller. Du kolonialisierst Länder ein zweites Mal, eigentlich bist du satt und nichts ist mehr neu.
Wow, wiederholte ich, und ich sagte: wie gekonnt du vom Thema ablenkst. Wir sind doch Globetrotter, Baby. Wir kommen eben viel rum.

S. 106.

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