Shida Bazyar – Drei Kameradinnen

Wow. Einfach nur wow. Was für ein Buch!
Ja, ich steige ein, in die Lobeshymnen, die schon auf „Drei Kameradinnen“ von Shida Bazyar gesungen wurden.

Khasi, Saya und Hani sind seit ihrer Kindheit Freundinnen. Sie alle haben das, was man in Deutschland einen „Migrationshintergrund“ nennt und sind im gleichen Viertel aufgewachsen. Gemeinsam sind sie erwachsen geworden und haben all die kleinen Mikroaggressionen durchgestanden, die einem so entgegen geschleudert werden, wenn Haare, Haut und/oder Augen irgendwie ein klein bisschen zu dunkel sind oder der Nachname nicht Müller/Meier/Schmitz lautet. Natürlich haben sie sich darüber geärgert, aber sie waren immer füreinander da – bis das passiert, was eben passiert, wenn man erwachsen wird: die eine arbeitet hier, die andere dort und irgendwie verliert man sich zwar nie aus den Augen, aber man sieht sich trotzdem immer viel zu selten.
Als nun eine gemeinsame Bekannte aus Kindertagen heiratet, finden die drei wieder zusammen. Sie verbringen ein paar schöne Tage miteinander, genießen die gemeinsame Zeit und schwelgen in Erinnerungen. Doch in der Nacht der Hochzeit passiert ein furchtbares Unglück…
Oder?

Aus der Perspektive von Khasi, die uns als Leser*innen direkt anspricht, tauchen wir in die Vergangenheit und die Gegenwart der Freundinnen ein. Wir begleiten sie zu Partys im Teenageralter, zum Abiball, ins Büro, zum Arbeitsamt und auf die Dächer der Stadt.
Ein herausragendes Ende rundet die Erzählung um Freundschaft, Heimat und Zugehörigkeit auf grandiose Weise ab.

Dieses Buch ist ein absolutes Highlight. Ich habe von der Sprache, über die Charaktere, den Plot und die Erzählerin, bis hin zu all den unterschwellig angeschnittenen politisch und gesellschaftlich relevanten Themen alles daran geliebt. Wenn ihr in diesem Sommer einen wichtigen und gleichzeitig spannenden, einen sprachlich herausragenden Roman ganz ohne künstlich geschwollene Sätze lesen wollt, dann lest „Drei Kameradinnen“ von Shida Bazyar. Eine Ode an die weibliche Freundschaft, ein Manifest gegen internalisierten Rassismus, eine Streitschrift für eine andere Gesellschaft und nicht zuletzt ein handwerklich schöner Roman voll literarischer Kniffe.

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