Megan Nolan – Verzweiflungstaten

Wie toxisch kann eine Liebesbeziehung sein?
Meine verflossenen Lieben: Ja!
Dieses Buch: Challenge accepted!

Ihr könnt es wahrscheinlich schon nicht mehr sehen: Bookstagram ist voll von „Verzweiflungstaten“ von Megan Nolan (herausragend übersetzt aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn) und doch möchte ich auch etwas dazu sagen und eine große Lobeshymne singen auf dieses Buch,das mich zutiefst bewegt hat.

Die namenlos bleibende Ich-Erzählerin verliebt sich Hals über Kopf in Ciaran. Es ist die eine große Liebe und das auch noch auf den ersten Blick.
Bereits beim Kennenlernen ist die Protagonistin psychisch labil, trinkt viel, hat kaum einen Bezug zu sich und ihrem Körper und schadet sich selbst auf verschiedene Arten. Ihre Liebe zu Ciaran lässt sie jedoch immer weiter in einen Strudel aus Selbstverachtung und -demütigung schlittern und macht sie blind für das, was die Beziehung mit ihr macht.

Megan Nolan, geboren 1990 in Waterford, Irland, beschreibt eindrücklich und messerscharf wie die Sehnsucht nach Liebe uns so sehr von innen aushöhlen kann, dass von uns selbst nichts mehr übrig bleibt. Ihre Analysen sind so genau und auf den Punkt gebracht, dass es mir eiskalt den Rücken herunter lief, ich mich mitunter in meine eigene Vergangenheit zurückversetzt fand und mehr als einmal dachte, dass ich genau so ein Buch auch gern geschrieben hätte – allerdings bin ich froh, dass Megan Nolan schneller war als ich, denn ihrer sprachlichen Präzision hätte ich niemals das Wasser reichen können.

Einige Szenen waren derart grafisch, dass es mir zu viel war. Ich verstehe, warum es genau so sein musste und das soll kein Kritikpunkt, sondern lediglich eine Feststellung, ein Hinweis sein.
Für das Buch muss unbedingt eine Triggerwarnung für sexualisierte Gewalt, selbstverletzendes Verhalten, Essstörungen und Alkoholismus ausgesprochen werden.
Wer das aushalten kann und möchte, der/die sollte das unbedingt tun, denn dieses Buch ist aus verschiedenen Gründen hervorragend gut.

Ich gehöre zu den furchtbaren Menschen, die Eselsohren in Buchecken knicken, wenn ihnen auf dieser Seite etwas besonders gut gefällt.
Hier könnt ihr (hoffentlich) erkennen, was das im Falle von „Verzweiflungstaten“ zur Folge hatte. Ein derart zerknicktes Buch hatte ich schon lange nicht mehr…

Während ich mit den ersten Seiten noch arge Probleme hatte, da die Perfektion, die die Protagonistin in Ciaran zu sehen glaubt, noch ungebrochen ist, wurde ich bald überrumpelt von der Authentizität der Worte und Nolans Fähigkeit, irrationale Gedanken und ungreifbare Emotionen in Worte zu fassen.


Ich möchte dem @aufbau_verlag von ganzem Herzen für das Rezensionsexemplar danken, denn ich fürchte, dieser Roman wäre sonst an mir vorbei gegangen.
Das Cover ließ mich einen Jugendroman vermuten, der versucht, tiefgründig daher zu kommen, und schreckte mich ehrlich gesagt eher ab.


Was bin ich froh, es dennoch gelesen zu haben.
Dieses Buch bleibt! Es ist prägend, bereichernd, ehrlich, tiefgründig, verständnisvoll, gesellschaftskritisch und vor allem eines: heilsam!

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.