Stephan Harbort – Wenn Kinder töten

Der letzte Beitrag zu meiner Themenwoche widmet sich einem Thema, dass mich innerhalb des Genres besonders interessiert:
Es geht um Kinder, die töten.
So selten es im Verhältnis zu anderen Tötungsdelikten auch vorkommt – es kommt vor. Stephan Harbort, Kriminalhauptkommissar, Serienmordexperte und mehrfacher Buchautor beschreibt in seinem Buch „Wenn Kinder töten“ sieben Fälle, in denen Minderjährige auf unterschiedlichste Weisen zu Mördern wurden und vor welchen Hintergründen dies geschah. Wer sind diese Menschen, die bereits im Kindesalter den Drang verspüren, Leben zu beenden und wie kann es soweit kommen?

Anders als das Titelbild auf Bildzeitungsniveau vermuten lässt, ist der Inhalt des Buches sehr objektiv, sehr feinfühlig, sehr opferbewusst und prangert nicht an. Es geht nicht darum zu zeigen, dass die betroffenen Kinder bereits als Monster geboren wurden oder um eine Abgrenzung zwischen uns, den normalen und den anderen, den kranken Mördern. Harborts Anspruch ist es nicht, möglichst unglaubliche, blutrünstige und reißerische Geschichten zu erzählen. Das Gegenteil war mein Eindruck. Er legt den Fokus nicht auf die Taten der Kids, sondern zeigt die Umstände auf, die diese überhaupt möglich machten und/oder sogar verursachten.

Überarbeitet werden müsste die Geschichte „Tod im Klassenzimmer“ im Hinblick auf Geschlechterstereotype und rassistische Bezeichnungen. In meiner Ausgabe von 2018 verhält sich ein Mädchen „wie ein Junge“ (S.74), weil sie keine Röcke und Kleider mag, lieber mit Autos spielt als mit Barbie-Puppen und lieber Polizistin werden möchte als Tierärztin. Sorry, aber nee.
Und der Junge, der die Tat begeht, ist auch nicht „farbig“ (S. 77) sondern wahrscheinlich Schwarz. Mal ganz abgesehen davon, dass diese Information so nebenbei eingestreut ist, dass es absolut unerheblich ist. Sofern seine Ethnie für den Fall eine Rolle spielt, wird sie nicht aufgearbeitet, sondern einfach nur nebenbei erwähnt. Lieber @droemerknaur Verlag, vielleicht überarbeitet ihr das.

Die ausgewählten Fälle sind spannend und, abgesehen von den oben genannten Fauxpas, in meinen Augen sensibel aufgearbeitet. Der Anhang bietet außerdem ausführliche Statistiken zur Thematik.

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