Charlotte Perkins Gilman – Ihrland

Hab mal wieder ein bisschen gewiclt.
Nachdem mich Die gelbe Tapete von Charlotte Perkins Gilman absolut begeistert hat, erinnerte ich mich an ein Seminar während meines Komparatistikstudiums, in dem eine Kommilitonin von Ihrland (bzw. Herland im Original) berichtete. Einem Buch, das seither auf meiner to-read-Liste stand, da der Plot einfach so dermaßen interessant klang.

Es handelt sich hier um eine feministische Utopie, in der drei Abenteurer ein Land entdecken, in dem seit 2000 Jahren nur Frauen leben. Sie haben sich so entwickelt, dass es ihnen möglich ist, sich ohne Samenzellen zu reproduzieren. Nun stoßen diese drei Dudes, aus deren Perspektive das Ganze erzählt ist, also auf eine ganze Gesellschaft aus Frauen und sind ganz schön überrascht, dass die Ladies so gut ohne sie klar kommen. In Ihrland laufen denn nun auch ein paar Sachen anders, als in dem kapitalistischen und patriarchalen System, aus dem die Herren kommen. Gegenseitige Vergleiche und Kritik sind der vorherrschende Content des Buches. Ganz unspannend ist das auch nicht, aber leider doch etwas veraltet. So führen die Ladies z.B. nicht etwa Beziehungen miteinander, sondern scheinen durch die Bank alle asexuell zu sein. Wäre ja fein für mich, erscheint mir jedoch etwas unrealistisch. Ebenso wie die Tatsache, dass hier, aufgrund des Alters des Textes, selbstverständlich nicht darauf eingegangen wird, wie es mit trans- oder non-binary-Personen in Ihrland so bestellt ist…

Der Text strotzt nur so vor Mann-Frau-Klischees, die Charaktere sind dementsprechend platt und eindimensional. Es mag auch an der Übersetzung und Ausgabe liegen (deren Cover… nun ja… sagen wir „gewöhnungsbedürftig“ ist), aber dieses Buch ist qualitativ so himmelweit von Die gelbe Tapete entfernt, wie ein Trabbi von einem Tesla.

Schade, schade Marmelade, aber das hätte eindeutig mehr gekonnt.
Da fand ich Die andere Hälfte der Welt hinsichtlich der Thematik weitaus besser durchdacht, wenngleich die „Männerlosigkeit“ in den Büchern eine ganz andere Ursache hat und der Vergleich dementsprechend unsauber ist.

Fallen euch andere Bücher ein, in denen es um männerlose Gesellschaften geht? Habt ihr das Buch gelesen?

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