Peter Zantingh – Nach Mattias

Wow.
Ich weiß nicht, warum ich im Moment so viel über Trauer lese und vor allem nicht, warum ich im Moment so „gern“ über Trauer lese. Vielleicht, weil meine Trauer weit genug weg ist, als dass es irgendwelche Wunden aufreißen würde, ich das Gefühl aber dennoch kenne und nachempfinden kann…

In „Nach Mattias“ erzählt der niederländische Autor Peter Zantingh davon, wie unser Leben und Sterben das Leben anderer beeinflusst, selbst, wenn man sich nicht nahe steht, ja sogar, wenn man sich nur flüchtig kennt.
Aus der Perspektive von u.A. Mattias‘ Freundin Amber, seinen Großeltern und seiner Mutter erzählt Zantingh davon, wie das Leben nach dem plötzlichen und unerwarteten Tod eines geliebten Menschen weitergeht.
Er erzählt aber auch von Menschen, die Mattias nie getroffen hat, deren Leben er aber dennoch auf verschiedene Weisen streift. Die Kapitel lesen sich, wie Kurzgeschichten, die ein Gesamtbild ergeben und es bereitet mir fast körperliche Schmerzen, dass ich nicht mehr dazu sagen kann, ohne zu spoilern.

Die Erzählweise erinnert an Zehs „Unterleuten“ und Lapperts „Der Sprung“, die Thematik (und auch das „Trauerweglaufen“ kommt hier vor) an Bogdans „Laufen“ oder Kuttners „Kurt“. All diese Bücher haben mir sehr gefallen und so konnte mich auch „Nach Mattias“ überzeugen.

Die Art, zu beschreiben, wie man immer erst dann erkennt, dass man gerade einen glücklichen Moment erlebt hat, wenn er vorbei ist oder wie wir unsere Welt durch Filter wahrnehmen und verlernt haben im Moment zu sein, sind weder belehrend oder esoterisch stumpf, sondern schlicht und ergreifend schön. Auch was Trauer mit uns macht, beschreibt Zantingh mit Feingefühl und Ehrlichkeit. Erstaunlicherweise schaffte der Autor es besonders mit den Sichtweisen der Mütter dieses Buches, mich zu treffen. Einfühlsam. Rührend, ohne kitschig zu sein. Sprachlich gelungen.

Uneingeschränkte Leseempfehlung für Männlein, Weiblein und alle anderen!

„Nach Mattias“ von Peter Zantingh.
Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers. Erschienen im Diogenes Verlag.

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