Pauline Harmange – Ich hasse Männer

Ich habe eingesehen, dass ich ihnen [den Männern] noch so viel Platz in meinem Leben einräumen konnte, ohne umgekehrt für sie eine vergleichbare Priorität zu haben. […] Also bevorzuge ich von nun an generell Frauen: in den Büchern, die ich lese, in den Filmen, die ich schaue, in den Inhalten, die ich mir aneigne, und in meinen täglichen Beziehungen.

S. 85 f.

Okay, here is the thing with this one:
Ich weiß gar nicht richtig, was ich dazu sagen soll, außer: „lest das!“.
Ja, der Titel ist polemisch bla bla und ja, ich gebe zu, ich habe mir das Buch genau deshalb und wegen der Zensurdebatte in Frankreich gekauft und ja, das ist gratis Werbung und es ist mir vollkommen egal, denn dieser kleine Essayband ist schlicht großartig.

Pauline Harmange hasst Männer, außer ihren eigenen. Auch dem stellt sie jedoch kein einwandfreies Zeugnis aus, denn auch er ist Teil eines systemischen Patriarchats, von dem er profitiert. Ich bin mir sehr sicher, dass ich nicht die einzige bin, die die Gedanken der Autorin immer wieder selbst gedacht hat, die es leid ist, die Wut und auch den Hass auf Männer in den eigenen Gedanken immer wieder zu relativieren, weil man kennt ja auch x und y und die sind ja so nett. Hass auf Männer ist auch nicht besser als Frauenfeindlichkeit. Das ist richtig und das erkennt auch die Autorin an. Der Unterschied, sagt sie, ist, dass das eine eine Reaktion auf das andere ist. Über Generationen angestaute Erfahrungen spielen in diese Entwicklung ebenso hinein, wie konkrete Erfahrungen mit Sexismus und (sexualisierter) Gewalt, denen jede einzelne Frau in mehr oder weniger starken Ausmaß TÄGLICH ausgeliefert ist. Das wird sich nur dann endlich ändern, wenn wir Frauen ebenso eine Allianz bilden, wie die Männer, ein Bollwerk gegen das Patriarchat, bis auch der letzte Mann verstanden hat, das auch er ein Profiteur eines ungerechten Systems ist, das Menschen einzig auf Grund ihres Geschlechts diskriminiert oder bevorzugt.

Ich stelle fest, dass hinter jedem Mann, der sein männliches Privileg zumindest ansatzweise reflektiert, mehrere Frauen stehen, die ihm in harter Arbeit die Augen geöffnet haben – das gesteht übrigens kaum einer ein.

S. 33.

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