Anna-Lena Klapp – Food Revolte. Ein vegan-feministisches Manifest

Mein letztes beendetes Buch im Jahre 2020 war Food Revolte. Ein vegan-feministisches Manifest von Anna-Lena Klapp (@food_revolte ).
Danke an den @veganverlag für das Rezensionsexemplar.

Was haben Fleischessen und das Patriarchat gemeinsam? Wieso wird Männlichkeit in der Gesellschaft bis heute an den Konsum von toten Tieren gekoppelt? Wieso sind die vegane und die feministische Bewegung sich in vielen Dingen ähnlich? Wieso werden in der veganen Szene patriarchale und ungesunde Körperideale reproduziert? Und warum sind die meisten bekannten Gesichter der veganen Bewegung Männer, obwohl 70 bis 80% der Veganer*innen in Deutschland Frauen sind? Wie wird Mackertum innerhalb der veganen Szene reproduziert?

All diese Fragen behandelt die Autorin in ihrem ungemein dichten und informativen Sachbuch und sucht Antworten. Hierzu zieht sie Studien und wissenschaftliche Arbeiten aus verschiedensten Disziplinen heran, versieht sie mit einer Prise subjektiven Ansichten, berechtigter Wut und äußerst sympathischem Zynismus und Trotz („Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich […] kotzen möchte. Antiemanzipatorische Positionen par excellence garniert mit jeder Menge Tierliebe. Immerhin ist der Aluhut vegan.“ S. 221.), und schmückt ihre Kapitel dann jeweils mit Interviews, die sie mit Frauen geführt hat, die die Szene aus verschiedenen Gründen bereichern. Da ist die Leiterin einer Pralinenmanufaktur (die bei mir um die Ecke ist. Diese Info allein macht das Buch für mich sehr wertvoll.), die Kraftsportlerin, die Kochbuchautorin, die queere Kabarettistin und viele, viele mehr.

Ich fand das Buch irre interessant und konnte eine Menge daraus mitnehmen. So viel, dass ich wegen der leider nicht ganz seltenen Tipp-, Druck- und Wortfehler ein bis zwei Augen zudrücken kann. Besonders beeindruckend fand ich, dass es Anna-Lena Klapp gelingt, den erhobenen Zeigefinger niemals in Richtung von Nichtveganer*innen zu erheben. Sie prangert nicht den/die Einzelne*n, sondern das patriarchale, rassistische und klassizistische System an – und das tut sie hervorragend.

Festzuhalten bleibt, dass eine pflanzenbasierte Ernährungsweise den Grundstein legt, um überhaupt eine globale Ernährung mit fair und ökologisch produzierten Lebensmitteln zu ermöglichen. Denn mit einer ökologisch-fairen Landwirtschaft könnte der aktuelle, exzessive Konsum von Fleisch, Kuhmilch und Eiern nicht gewährleistet werden. Eine faire und ökologische Landwirtschaft bedeutet immer auch, dass weniger tierische Produkte konsumiert werden müssen. Punkt.

S. 278.

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