Orna Donath – #regretting motherhood. Wenn Mütter bereuen

Wir müssen über diese heiligen Kühe reden, müssen den ganzen Schmutz abwaschen und sie ins helle Tageslicht holen, […]. Diese ganzen Geheimnisse. Diese Dunkelheit. Diese ganzen Tabus.

S. 249 f.

Was ist, wenn man ein Kind bekommt und dann merkt, dass man es besser nicht getan hätte? Dass man es mehr liebt als alles andere, aber in der Mutterschaft keine Erfüllung findet? Dass man nicht die menschgewordene Göttin ist, als die Gesellschaften Mütter imaginieren? Wie fühlt man sich, zerrissen zwischen der Liebe zum eigenen Kind und dem Wunsch, die Zeit zurück zu drehen, um die Mutterschaft rückgängig zu machen und wieder die „Mutter von niemandem“ sein zu können? Die israelische Soziologin Orna Donath hat sich dem gesellschaftlichen Tabu der bereuten Mutterschaft angenommen und dieses sensible Thema mit betroffenen Frauen diskutiert. Wie diese ihre völlig unterschiedlichen Situationen, Emotionen und Gedanken schildern und wie sie damit umgehen, fasst die Autorin zusammen.

Auf einfühlsame Weise wird erläutert, warum Frauen rückblickend betrachtet lieber andere Entscheidungen getroffen hätten, indem nicht ÜBER sie, sondern MIT IHNEN gesprochen wird. Das Wort „Rabenmutter“ ist schnell ausgesprochen, die eigenen Vorurteile lassen ratzfatz negative Bilder von diesen Frauen entstehen. Ihre Perspektive zu hören, sie sichtbar zu machen kann jedoch nicht nur die Position von bereuenden oder Nicht-Müttern stärken, sondern Frauen allgemein bereichern,

„denn es kann dazu beitragen weitere Wege zu bahnen, die anderen Frauen die Möglichkeit bieten, innezuhalten, herumzuschlendern, umzukehren und zu verweilen. […] Wir sind die Frauen, die selbst über ihre Körper und ihr Leben verfügen müssen, wir sind die Besitzerinnen unserer Gedanken, Gefühle und Vorstellungen.“

S. 258.

Glückliche Mütter und Menschen mit Kinderwunsch sind dabei um Himmels Willen nicht besser oder schlechter, als andere. All das ist wunderbar. Kinder sind wunderbar. Mag mein eigenes wohl auch ganz gerne. Das patriarchatsgestützte vorherrschende Mutterbild, das Ideal der fürsorglichen und allzeit perfekten Mutter, die nichts anderes zu ihrem persönlichen Glück braucht, gehört trotzdem in die Tonne!

Der Konflikt zwischen Liebe und Hass, den Mütter im Verhältnis zu ihren Kindern erleben können, kann ihnen also helfen, sich das intellektuelle und emotionale Handwerkszeug zuzulegen, um ihr Baby und dessen Bedürfnisse zu verstehen. Ambivalente Erfahrungen können zum Nachdenken anregen, und sich Gedanken über das eigene Baby oder Kind zu machen, ist wiederum wichtig für Mutter und Kind. So gesehen kann die Fähigkeit, Ambivalenz und den damit verbundenen Schmerz durchzustehen, hilfreich sein, denn sie lässt die Mutter erkennen, dass Perfektion bei ihr und dem Baby ein Wunschtraum ist, von dem sie lieber die Finger lassen sollte.

S. 71.

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