Michael Kumpfmüller – Ach, Virginia

„Auch Bücher sind Behausungen, hat sie immer gedacht, dunkle Verliese oder lichtdurchflutete Kathedralen, Hütten und Paläste, je nachdem. Tatsächlich hat sie ihr Leben lang gebaut, Sätze, Mauern, Durchbrüche, Kapitel mit und ohne Aussicht. Schreiben ist Drecksarbeit, man macht sich schmutzig, man schwitzt und bekleckert sich, bewegt sich in unerfüllten Räumen.“

S. 30


Im März 1941 nahm sich Virginia Woolf das Leben. In diesem Roman lässt der Autor uns an ihren letzten Tagen teilhaben, die Welt durch ihre Augen sehen, ihre Gedanken teilen und auch die wenigen Menschen treffen, die ihr Leben begleiteten und ihr wichtig waren.

Zunächst war ich ehrlich skeptisch und fragte mich, ob es gut sein kann, dass ein männlicher Autor sich in den Kopf einer Frau fuchsen möchte, um mir deren Gedankenwelt und Depressionen zu vermitteln. Die Skepsis löste sich aber schnell in Wohlwollen auf, denn ich wurde dankenswerterweise sehr positiv überrascht.

Ein langsames, leises und sehr tiefes Buch über den Wunsch einer Frau, nicht mehr zu Leben und den Wunsch der Welt, sie bis heute nicht zu vergessen.

Außerdem: ein riesengroßes Lob für die Gesamtgestaltung des Buches von Rüdiger Trebels und Kiwi, meinem Herzverlag.
Die Optik und Haptik dieses Buches ist einfach eine Bombe!

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