Sophie Passmann – Alte, Weiße Männer

Jede Frau, die Feminismus ernsthaft betreibt, muss sich von der Idee verabschieden, sich damit bei einem Großteil der Männer beliebt zu machen. Feminismus ist, wenn er radikal im eigentlichen Sinne des Wortes betrieben wird, unbequem, anstrengend, omnipräsent und lästig. Es ist der Job von Feminist*innen, zu nerven, wir tun das nicht aus Langeweile oder Themenarmut, es ist eine Überlebensstrategie. Die Machtfrage wird nie höflich gestellt, denn es ist menschlich, dass diejenigen, die die Macht innehaben, sie nur ungern teilen wollen.

S. 11.


@fraupassmann hat sich mit Männern getroffen und versucht herauszufinden, was einen alten, weißen Mann ausmacht. Wer gehört zu diesem Feindbild und wer nicht, denn nicht alle alten, weißen Männer sind alte, weiße Männer.


Sie spricht mit ihrem Papa, Kevin Kühnert, Robert Habeck, Sascha Lobo, Kai Diekmann, Ulf Porschardt, Rainer Langhans und anderen. Dabei wird sie oft überrascht – positiv und negativ.
Mit viel Witz, wie man es eben von Sophie Passmann kennt, stellt sie sich Vorurteilen über „Netzfeministinnen“ und konfrontiert ihre Interviewpartner mit ihren eigenen Gedanken zum Thema.

An manchen Stellen hätte ich mir mehr Krawall gewünscht, mehr Kontra, mehr Sophie Passmann und weniger Harmonie, aber der Untertitel des Buches ist ja nun mal „Ein Schlichtungsversuch“ – und ja, sie hat doch Recht: Es wird nicht gehen, ohne MITEINANDER und nicht übereinander zu sprechen, gegenseitige Feindbilder zu untersuchen, festzustellen, dass sie vielleicht manchmal gar nicht so zu der eigenen Vorstellung passen und manchmal eben doch.


Ich habe auf jeder Seite so ungefähr 17 mal geschmunzelt und/oder gelacht und halte das Buch für einen hervorragenden Einstieg ins Thema und ein ideales Geschenk für alte, weiße Männer, solche, die Gefahr laufen, es zu werden und eigentlich auch sonst alle, die Lust haben, sich auf eine etwas entspanntere Art mit Feminismus auseinander zu setzen.
Nicht, dass ich ihn gebraucht hätte, aber dieser Text ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Autorin klug und gewitzt ist, schreiben kann und bitte hoffentlich noch viel mehr von sich hören lässt.

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