Celeste Ng – Kleine Feuer überall

Für eine Mutter war ein Kind nicht nur eine Person: Das Kind war ein ORT, eine Art Narnia, ein weiterer, ewiger Ort, an dem gelebte Gegenwart, erinnerte Vergangenheit und ersehnte Zukunft gleichzeitig existierten.

S. 142 f.

In Shaker Heights ist die Welt noch in Ordnung. Shaker ist eine amerikanische Kleinstadt, in der die Bürger nicht nur die Lage ihrer Häuser, Straßen und Schulen bis ins kleinste Detail planen, sondern auch die Zukunft ihrer Kinder, die Länge des Rasens und alles andere, was man im Leben einer peniblen Planung unterwerfen kann.
Hier leben die Richardsons, eine bürgerliche Bilderbuchfamilie.
Elena ist hier aufgewachsen, schreibt für die Lokalzeitung und genießt die Idylle, in der sie mit ihrem Mann und den vier Kindern lebt. Als Mia, eine alleinerziehende Mutter und Künstlerin in die Stadt kommt, vermietet Elena ihr eine Wohnung. Während sich Pearl, Mias Tochter, täglich wohler im Haus der Richardsons fühlt, sucht die unangepasste Izzy Richardson zunehmend Mias Nähe.
Mit Mia und Elena prallen zwei Welten aufeinander, zwei nicht miteinander zu vereinbarende Lebensentwürfe. Und so entzünden sich auf allen möglichen Ebenen kleine Brandherde, die bald nicht mehr zu löschen sind.

Celeste Ng hat mit Kleine Feuer überall einen absolut grandiosen Familien-, Gesellschafts- und Spannungsroman geschrieben. Während man sich dem offensichtlichen Plot nur schwer entziehen kann, eröffnen sich zwischen den Zeilen zahllose Fenster und Türen, die wichtige Fragen zu gesellschaftlich relevanten Themen, zu Moral und persönlichen Lebensentscheidungen aufwerfen.
Da ich zu erst die Serie gesehen habe, blieben ständige Vergleiche in meinem Kopf nicht aus. Ich musste feststellen, dass für die Serie vieles abgeändert wurde, könnte jetzt aus dem Stand jedoch keinesfalls sagen, dass ich das Eine oder das Andere besser fand.
Manches konnte im Buch mit mehr Tiefgang behandelt werden, anderes fand ich in der Serie eleganter gelöst. Im Endeffekt hat mich beides vollständig aus den Socken gehauen.

Kleine Feuer überall ist eine tiefgreifende, psychologische Analyse zwischenmenschlicher Beziehungen und liest sich dabei wie ein irre spannender Krimi. Lest das!

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.