Young-Ha Kim – Aufzeichnungen eines Serienmörders

@diek_aiserin ist Schuld!
Da wurde so geschwärmt und da klang die Story so gut, dass ich es selbst lesen wollte und ja, die Kaiserin hatte wie immer Recht: das hier ist großartig.

Young-Ha Kim erzählt in „Aufzeichnungen eines Serienmörders“, aus dem Koreanischen von Inwon Park, vom pensionierten Tierarzt Byongsu Kim. Dieser war früher nicht nur Arzt sondern auch Serienmörder. Heute ist er 70 Jahre alt und dement, weswegen er beginnt, Dinge aufzuschreiben, um sie nicht zu vergessen. Eben diese Aufzeichnungen versammelt das Buch. Nachdem ihm nämlich ein Mann begegnet, den er ebenfalls als Mörder erkennt und eine Mordreihe die Gegend erschüttert, setzt Byongsu alles daran, seine Tochter zu beschützen, die sich in den mysteriösen anderen Mann verliebt. Und so plant der demente Mann seinen letzten Mord…

Ich fand es wunderbar, wie der Autor es schaffte, die Beziehung zwischen dem dementen Vater und der Tochter aus der Perspektive des Erkrankten zu schildern. Die Problematiken, die sich ergeben, wenn man hin und hergerissen ist, weil ein nahestehender Mensch immer weiter schwindet, das Gefühl der Machtlosigkeit, aber auch die Nerven, die es einen kostet, zu pflegen, zu helfen, obwohl man nichts tun kann und immer wieder gegen Wände läuft, kenne ich aus eigener Erfahrung. Das Ganze einmal aus der Perspektive des Erkrankten zu lesen, erwies sich für mich als echte Bereicherung. Aber auch der Plot war wahnsinnig spannend, sodass der Unterhaltungsfaktor keinesfalls zu kurz kam. Mit nur 151 Seiten eignet sich das Buch außerdem perfekt, um es an einem freien Tag in einem Zug wegzulesen. Ganz große Leseempfehlung!

Es gibt Dummköpfe, die ihr ganzes Leben damit zubringen, Menschen in die paar Schablonen zu pressen, die sie kennen. Das mag praktisch sein, ist aber auch nicht ungefährlich. Denn Menschen wie mich, die nicht in ihre Schablonen passen, können sie nicht im Mindesten ergründen.

S. 51

Ich hatte einen Nachbarn, der stets alles vergaß, wenn er bei einem Bankett etwas trank. Vielleicht ist der Tod ein Glas Schnaps, das man kippt, um das belanglose Bankett namens Leben zu vergessen.

S. 53

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