Ninni Holmqvist – Die Entbehrlichen

Wenn du dich wahnsinnig auf ein Buch freust und hohe Erwartungen hast und dann hart enttäuscht wirst…

Dorrit lebt in einem Haus in Schweden. Allein, denn sie hat weder ein*n Partner*in noch Kinder. Als sie 50 wird kommt sie daher, wie alle Entbehrlichen, in die „Einheit“, wo sie an Versuchen, Studien und medizinischen Tests teilnehmen und bei Bedarf Organe „spenden“ muss.

Was wie eine vielversprechende antikapitalistische Dystopie mit feministisch, kritischem Grundgedanken (der „Wert“ einer Frau, der an Mutterschaft geknüpft ist) beginnt, entwickelt sich bald zu einer einfachen Liebesgeschichte mit unnötig bildhaften Sexszenen, gerahmt von chauvinistischen Klischees und fragwürdigen Textstellen. Der Plot und die eigentlich sehr wichtige und spannende Grundidee rücken dabei fast gänzlich in den Hintergrund, während die Protagonistin schmerzlich konservative Geschlechterrollen ersehnt und darüber verwundert ist, dass ihre Freundin, die männliche Hormone bekommt, „lieber Zwitter als tot“ (S. 132.) ist, weil es anscheinend vollkommen absurd ist, dass man lieber als Frau und Mann zugleich lebt, als gar nicht zu leben.

Der Verlauf des Romans ist leider etwas vorhersehbar, was an sich nicht schlimm wäre, dies kommt jedoch noch zu den anderen Kritikpunkten hinzu. Etwas versöhnlich gestimmt hat mich der konsequent zu Ende gedachte Schluss und die zwei Stellen des Romans, die sich tatsächlich etwas tiefergehend mit den Fragestellungen auseinander setzen, die die Grundlagen des dystopischen Ansatzes bilden. Das Beste am Roman war tatsächlich das Gespräch, das ich mit meinen Lesepartnerinnen @knigaljub und @lesestress geführt habe und die sich wunderbar mit mir zusammen aufgeregt und über die Protagonistin geärgert haben.

Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, das sein Potenzial derartig verschenkt. Ähnlich wie bei Christina Dalchers Vox wird hier eine gute dystopische Idee mit feministischen und philosophischen Ansprüchen fast ins Gegenteil verkehrt und zu einer platten und peinlich bildlichen „Frau-trifft-Mann-und-sie-haben-Sex-Story“.
Schade!

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