Cho Nam-Yoo – Kim Jiyoung, geboren 1982

Ja, es gab in den letzten Tagen schon eine Menge Posts und Beiträge zu Cho Nam-Joos Kim Jiyoung, geboren 1982, das letzte Woche in der Übersetzung von Ki-Hyang Lee erschien.
Nein, es reicht nicht und ich muss meinen Senf zu diesem Meisterwerk auch abgeben. @monalalalong war es glaube ich, die schrieb, dass dieses Buch das Potential hat, die Welt zu ändern und ich bin der Meinung, dass diese großen Worte nicht übertrieben sind.

Kim Jiyoung ist Anfang 30 und lebt mit Mann und Kind in Seoul. Eines Tages beginnt sie, aus der Perspektive anderer Frauen zu sprechen. Mal ist sie ihre Mutter, mal ihre Großmutter. Als Leser*in begleiten wir sie dann durch ihr ganzes Leben, durch all die kleinen und großen Ungerechtigkeiten, die wohl jedes Mädchen und jede Frau auf der ganzen Welt erlebt, egal ob sie in Südkorea oder in Köln Kalk aufwächst. Der Erzählstil ist dabei sehr nüchtern, das Ganze liest sich beinahe wie ein Bericht, inklusive Fußnoten (was auch einen ganz besonderen Grund hat, den wir aber erst mit dem herausragenden Ende aufgezeigt bekommen).
Ich war so wütend und habe mich in so vielen Schilderungen wiedererkannt.

Ich habe vor Wut geweint und vor Verständnis. Ich habe oft mit dem Kopf geschüttelt und am Ende hat es etwas gedauert, bis ich meine Kinnlade wieder zubekommen habe. Der oftmals auf subtile Weise furchtbare Umgang der Gesellschaft mit Mädchen und Frauen, mit Müttern und Nicht-Müttern wird hier so dermaßen treffend geschildert, ist so erschreckend gut beobachtet, dass es mir einfach die Sprache verschlagen hat. Dieses Buch hat mich schlichtweg umgehauen. Es ist eine Wucht und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass insbesondere Männer es lesen, denn, wie der Klappentext verspricht (und ich hätte es nicht treffender schreiben können), zeigt es „das schmerzhaft gewöhnliche Leben einer Frau“ und deckt gleichzeitig „eine Feindlichkeit gegenüber Frauen und Müttern auf, die uns allen – egal, wo auf der Welt – nur allzu bekannt vorkommt.“ Frauen werden sich verstanden fühlen, Männern wird es Verständnis schenken. Und genau das könnte die Welt verändern…


Selten hat es ein Buch geschafft, dass ich mich so gesehen fühle! Bereits jetzt schon ein absolutes Jahres- ja Lebenslesehighlight!

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