Hengameh Yaghoobifarah – Das Ministerium der Träume

Knurrenden Lesben gehört das Universum.

S. 32.

Nasrins Schwester Nushin ist tot. Die Polizei sagt, sie starb bei einem Autounfall, aber Nasrin ist sich sicher: Sie hat sich das Leben genommen.
Doch nicht nur für Nasrin, genannt Nas, bricht eine Welt zusammen. Auch Nushins Teenagertochter Parvin leidet extrem unter dem Tod ihrer Mutter.
Nas‘ Leben dreht sich um 180°. Neben der Arbeit als Türsteherin eines queeren Clubs im Berliner Nachtleben, kümmert sie sich ab sofort auch um Parvin und fragt sich:

Siri, wie sieht linksradikale Pädagogik jenseits der Deutschness aus?

S. 143.

Gleichzeitig versucht sie, den Tod der eigenen Schwester zu ergründen, denn die deutsche Polizei zeigt sich in keiner Weise bemüßigt, diesen aufzuklären. Die gut aussehende gebürtige Iranerin war zuvor schließlich in einer zwielichtigen Autowetkstatt, die von Migranten betrieben wird und für die Cops ist klar: am Auto wurde einfach nur gepfuscht.

Auf zwei Zeitebenen erzählt Hengameh Yaghoobifarah aus der Ich-Perspektive Nas‘ Geschichte.
In der Gegenwart offen lesbisch, von heute auf morgen in der Verantwortung für ihre Nichte und den Verlust der Schwester betrauernd, in den 80er-, 90er- und beginnenden 00er-Jahren eine im Iran geborene, nach Deutschland emigrierte Halbwaise, die durch rassistische Anschläge und Anfeindungen bedroht ist. Yaghoobifarah beschreibt das Heranwachsen in einem Deutschland, das sein wahres, hässliches Gesicht zeigt.

Nationalismus war die billigste Droge, sie kostete nur ein paar Leben, die in diesem Land ohnehin nie von Wert gewesen waren, sie machte schnell high, doch der Kater war ein verdammter Abfuck, vor allem für jene, die nüchtern blieben.

S. 177.

Diese zweite Zeitebene hat mich persönlich durch den Roman getragen. Leider war sie anteilig zu wenig ausgearbeitet, hat sie mich doch viel mehr gefesselt, als der eigentliche Plot des Buches. Die queere, migrantische Perspektive in einer Umgebung mit Nazihintergrund war genau so wichtig und bereichernd, wie erwartet.
Sprachlich fand ich einige Zeilen herausragend, einige andere sehr einfach und stellenweise platt. Positiv hervorzuheben: Der gesamte Text ist komplett durchgegendert.
Bitte mehr davon!

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