Jenny Erpenbeck – Gehen, ging, gegangen

TW: Rassismus

Zusammen mit @lesestress , @knigaljub und @coffeecakesandbooks habe ich Gehen, ging, gegangen von Jenny Erpenbeck gelesen, das für mehrere renommierte Preise nominiert war, hoch gelobt wurde und als Schullektüre genutzt wird. Wir waren uns einig: wir fanden es furchtbar.

Wir schreiben das Jahr 2015. Alter, weißer Mann namens Richard geht in Rente und langweilt sich. Der nun emeritierte Professor weiß nichts mit seinem Leben anzufangen. Warum also nicht die Zeit totschlagen, in dem man ein paar „Flüchtlinge“ interviewed, denn während man sich deren Lebensgeschichten anhört, kann man sein eigenes Leben gleich so viel besser finden.

Nach 50 Seiten dachte ich noch, dass das was werden kann; dass dieser sexistische und rassistische Heiopei von einem Protagonisten entlarvt wird. Im Laufe des Buches schrumpfte mein Optimismus und nach knapp 350 Seiten und dem furchtbarsten Ende aller Zeiten, hatte ich keine Ahnung, was die Autorin mit diesem Werk bezwecken wollte, das vor White Saviorism, rassistischen Ressentiments, platten und einseitigen Charakteren und einem schrecklichen Wording („die Schwarzis“? Are you fucking serious?) nur so strotzt. Die „Flüchtlinge“ sind immer irgendwo zwischen „dunkelhäutig“ und „kohlrabenschwarz“, werden ununterbrochen exotisiert und jedes Klischee wird mindestens einmal bedient. Es war mir ein Graus.

Wer die ganze Problematik etwas genauer aufgedröselt haben möchte, der lese unbedingt die ausgezeichnete und ausführliche Rezension von @knigaljub .
Ich möchte mich gar nicht weiter darüber aufregen und bin einfach froh, dass es vorbei ist. Das mit Abstand beste an dieser Lektüre war die Diskussion, in der wir uns abwechselnd mit wütenden Sprachnachrichten zugeworfen haben. Was dieses Buch im Schulunterricht oder auf Long- und Shortlists von Literaturpreisen zu suchen hat, ist mir ein Rätsel, denn die Geflüchteten, um die es hier angeblich gehen soll, werden einmal mehr lediglich zu verschwommenen Nebenrollen, ihre Lebensgeschichten zum schmückenden Beiwerk, während es eigentlch um nichts anderes geht, als einen alten, weißen Mann und die akademische biodeutsche Mittelschicht, in der er verkehrt.

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